scheuer vogel traum
tonio guerra in troisdorf
Performances
Donnerstag, 1. Mai 2025 | Szenen und Begegnungen mit Tonino Guerra | Tag der Wahner Heide | Burg Wissem Theaterpavillon
Beginn: 13:30 | 14:30 | 15:30 Uhr
Freitag, 2. Mai 2025 | Kunsthaus Troisdorf, Mülheimer Str. 23, 53840 Troisdorf
Beginn: 11:00 Uhr | geschlossene Veranstaltung für Europa-Schule Troisdorf
Sonntag, 4. Mai 2025 | Kunsthaus Troisdorf, Mülheimer Str. 23, 53840 Troisdorf
Beginn: 18:00 Uhr | Premiere
Weitere Aufführungen im Kunsthaus Troisdorf am 25. Februar und 26. Februar 2026
Mit Karin Pfammatter, Oliver Reinhard und Marco Giorgi
Musik Paul Rhee (Trompete)
Text und Regie Friederike Felbeck
Video Yves Itzek
Illustrationen Alyona Rutzen
Literarische Übersetzung Elsbeth Gut Bozzetti
In deutscher und italienischer Sprache und in Romagnol
Gefördert von: Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Kultursekretariat Gütersloh
SCHEUER VOGEL TRAUM
Zur Entstehung des Projektes
„Scheuer Vogel Traum“ ist eine Kooperation zwischen der Stadt Troisdorf und einem Ensemble der freien Szene. Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit lokalen Kooperationspartnern und legt die unterschiedlichen archäologischen Schichten der Stadt, ihrer Industrievergangenheit (Dynamit Nobel) und der Beschäftigung von Zwangsarbeit während des 2. Weltkrieges frei. Am Beispiel des italienischen Autors Tonino Guerra, dessen Anfänge als Lyriker auf seine Zeit als Kriegsgefangener in Troisdorf zurückgehen, ist dies ein wesentliches Signal für die NRW-weite Beschäftigung und Aufarbeitung des historischen Erbes der Internierungs- und Zwangsarbeiterlager während der Zeit des Nationalsozialismus. Dabei sind Guerras eigene künstlerische Verarbeitung und seine Selbstverortung in der temporären Heimat Troisdorf ein wichtiges Zeichen der Versöhnung.
Förderung
Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW) hat gemeinsam mit dem Kultursekretariat NRW Gütersloh (KSNRWGT) und Bespieltheatern in NRW das Programm SPIELRAUM gestartet, um damit Gestaltungsräume für die Weiterentwicklung der Gastspielbühnen im Land zu schaffen. Ziel ist es, die Wahrnehmung, Sichtbarkeit und Publikumsbindung der Bespieltheater in den Mitgliedsstädten des Kultursekretariats zu steigern und zusammen mit der professionellen Freien Szene Projekte zu entwickeln, die mit der jeweiligen Strategie der antragstellenden Häuser korrespondieren.
Inhalt
„Scheuer Vogel Traum“ ist eine Performance inspiriert von Lyrik und Prosa des italienischen Autors Tonino Guerra, dessen Anfänge als Lyriker auf seine Gefangenschaft im rheinischen Arbeitslager Troisdorf 1943/44 als gerade Vierundzwanzigjähriger zurückgehen. Für seine italienischsprachigen Mitgefangenen, viele davon Analphabeten, schafft er Stegreifgedichte, Zaubersprüche gegen die deutschen Bewacher oder zitiert die Rezepte klassischer Gerichte der italienischen Küche aus der Erinnerung. Tonino Guerras Bezug zu der Stadt Troisdorf und seine gemeinsam mit dem Essener Kunst- und Kulturhistoriker Roland Günter verfassten Erinnerungen „Aufbruch in Troisdorf“ über seine Internierung im Rheinischen Arbeitslager bilden den Ausgangspunkt für die Konzeption der Performance.
Guerras Texte haben eine zeitlose poetische Kraft und widersetzen sich einem trügerischen Realismus – sie gleichen lyrischen Forschungsvorhaben in unsere Träume, mögliche Nebenwelten und abgründige Charaktere. Vor allem ist Tonino Guerra aber bekannt für seine Drehbücher, die er für die Regisseure Michelangelo Antonioni (darunter „La Notte“, „Blow up“ und „Zabriskie Point“), Vittoria de Sica („Matrimonia all´italiani), Francesco Rosi („Chronik eines angekündigten Todes“), die Gebrüder Taviani, für Theo Angelopoulos („Der Blick des Ulysses“), Andrej Tarkoskij („Nostalgia“) u.v.a. mehr geschrieben hat. Mit dem Regisseur Federico Fellini verband Tonino Guerra eine lebenslange Freundschaft und künstlerische Zusammenarbeit, die in drei gemeinsamen Filmen mündete, darunter auch „Amarcord“ (1973) – der Titel ist die „Übersetzung“ von „Io mi ricordo“ (Ich erinnere mich) in den Dialekt der norditalienischen Region der Emilia-Romagna – und erinnert an die eigene (wie auch Fellinis) Jugend im Faschismus.
Neben der Livemusik von Paul Rhee werden Soundscapes und Videos von Originalschauplätzen in Troisdorf und Umgebung mit der Aufführung verflochten, die verschiedene Räume und Ereignisse evozieren: wie z.B. eine Werkshalle (Dynamit Nobel), nächtliche Versorgungsflüge vom Militärflughafen Wahn, Schlafsaal und Appell, einen Militärtransport, Ausgrabungen, Umsiedlung und der Wahner Heide zwischen Truppenübungsplatz und Naturschutzgebiet.